alles was vorher war...

Mit der Schilddrüsen-OP hat es begonnen, da dachte ich noch, alles käme in Ordnung.
Dann äußerten sich diese Symptome, und da nahm der Horror seinen Anfang. Schließlich kamen immer mehr Arztbesuche zu, und auch die Krankenhäuser blieben nicht aus.

Und alles was jetzt danach kommt, das schreibe ich hier nieder, denn mir wurde gesagt, ich leide unter einer psychosomatischen Ess-Störung... die sich als reine Angststörung entpuppt hat.

Freitag, 10. Januar 2014

klar kann ich das! // Dauergast Angst

Die Angst dient ursprünglich als Beschützer: in gefährlichen Situationen warnt sie uns und rüttelt uns mit Adrenalin-Ausschüttung wach, damit wir reagieren können. Aber die Angst kann sich zu einem übermächtigen Feind entwickeln, wenn sie sich krankhaft manifestiert. Auch wenn man das weiß, ist man nicht dagegen gefeit. Wie ich zum Beispiel. Und obwohl ich mich schon früher mit Angstzuständen und Panikattacken auseinander gesetzt habe, sie erfolgreich bekämpft und so vollständig abgelegt habe,
kam sie durch all das Chaos, das mein Körper zur Zeit durchläuft, wieder zu mir zurück. Nicht, das ich die Angst gerne als erneuten Dauerbesuch begrüßt hätte, aber sie ist nun mal da, das kann ich nicht leugnen. Da muß man dann das Beste drauß machen, gleich wie schwer es fällt. Und es fällt schwer, sehr schwer...

So habe ich mich in den vergangenen Monaten immer an Ralf festgehalten, sobald wir vor die Tür gegangen sind. Zu Beginn war das auch sicherlich sinnvoll, da ich kaum laufen konnte. Allein schon aufgrund des extremen Gewichtsverlustes, den ich in so kurzer Zeit erfahren habe, der nicht nur meine körperliche Kraft, sondern auch die Muskeln abgebaut hat. Ich wollte nicht stürzen - zu Recht, das wäre ja dumm. Und so habe ich mich nicht nur untergehakt, nein, ich habe mich auch festgeklammert. Doch vor einigen wenigen Wochen habe ich dann begonnen, wieder alleine zu laufen. Unsicher, sehr unsicher, da meine Beine noch nicht so wollen wie ich. Auch das ständige Schwanken, das sich in meinem Kopf breit gemacht hat, macht das Gehen nicht leichter, da der Boden ja scheinbar ständig auf mich zukommt bzw. von mir weicht. Die Füße scheinen oft wie auf Gummiboden zu laufen. Muß man sich dran gewöhnen, an all das, auch wenn es ein seltsames Gefühl ist. Also laufe ich alleine.
  Und so dann heute zum ersten Mal komplett alleine. Okay, zum Bus ist Ralf noch mitgegangen, da er die gleiche Richtung hatte. Doch von da an bin ich alleine zur Therapeutin - Bus, dann die Praxis (auf-)suchen, die Treppen hoch, und nach der Sitzung das Spielchen nochmal in die andere Richtung. Ging doch, denn klar kann ich das! Habe ich früher auch gekonnt, wieso nicht jetzt? Tja, wieso nicht jetzt? Es ist ein komisches Gefühl gewesen. Ich habe kein Herzrasen bekommen, als mir bewußt wurde - und das kurz vor dem Ziel - das Ralfi gar nicht bei mir ist, falls etwas passieren sollte. Aber was sollte auch passieren? Der Boden war genauso wie Gummi, meine Beine waren ebenso unsicher wie in den Momenten, in denen mein Schatz mich begleitet. Ich bin einfach gegangen, und nicht gerade übermäßig langsam oder vorsichtig. Ich wollte einfach nach Hause, als ich den Rückweg angetreten bin. Ich habe nicht über den Boden nachgedacht und auch nicht meine Schritte beobachtet. Bin einfach gelaufen, fertig.

Und so kann ich erneut einen Haken setzen hinter eine Aufgabe, die mir lange als kaum lösbar erschien, obwohl mir klar war, das es gehen wird - im wahrsten Sinne des Wortes! :) Es war nicht leicht, aber ich habe es geschafft, und so wird es auch weiterhin klappen. Ich kann doch laufen, da ist doch nichts mit meinen Füßen oder Beinen. Geh weg, Angst, ich brauch dich nicht!

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